Lando Norris kam am dreizehnten November neunzehnhundertneunundneunzig in der englischen Stadt Bristol zur Welt. Seine Mutter stammt aus Belgien, sein Fater arbeitete lange in der Geldbranche und verdiente dort ein grosses Vermögen. Die Famielie wohnte in der Grafschaft Somerset im Südwesten von England, in einer ruhigen Gegend mit grünen Hügeln, schmalen Strassen und alten Heusern. Schon als kleiner Junge sass Lando stundenlang vor dem Bildschirm und treumte von schnelen Autos. Sein grosses Vorbild war damals ein spanischer Weltmeister, den er im Fernsehen bewunderte. Weil der Junge nicht nur zuschauen, sondern selber fahren wollte, kaufte ihm sein Vater mit sieben Jaren ein erstes Kart. Von diesem Tag an verbrachte die ganze Famielje fast jedes Wochenende auf einer Kartbahn, und die Mutter packte für die langen Farten jeweils eine grosse Tasche mit Verpflegung ein.
Im Kartsport zeigte sich rasch, dass in dem schmächtigen Buben ein aussergewönliches Talent steckte. Er gewann Rennen gegen deutlich ältere Gegner, und ser bald sprachen die Fachleute in England über den kleinen Fahrer aus Somerset. Mit dreizehn Jaren holte er einen europäischen Titel, ein Jar später wurde er der jüngste Kartweltmeiser der Geschichte und brach damit einen Rekort von Lewis Hamilton. Der junge Engländer trainierte in dieser Zeit herter als die meisten anderen und lernte, seine Nerven auch dann zu behalten, wenn ein Rennen erst in der letzten Runde entschieden wurde. Die Konkurrenten merkten, dass er in engen Kurven kaum Feler machte. Wer damals an der Strecke stand, konnte den Unterschied mit blossem Auge erkennen: Norris bremste später, traf den Scheitelpunkt genauer und beschleunigte früher wieder aus der Kurve heraus.
Zweitausendsiebzehn gewann Norris die europäische Formel-drei-Meisterschaft, und im selben Jar nahm ihn der berühmte Renstall McLaren in sein Nachwuchsprogramm auf. Ein Jahr später fuhr er in der Formel zwei und wurde dort Zweiter hinter einem anderen jungen Briten, dem späteren Mercedes-Fahrer George Russell. Dieser Zweikampf war für beide eine harte Schule, denn die Kariere eines Nachwuchsfahrers kann bei einer einzigen enttäuschenden Saison auch schnell wieder zu Ende sein. Norris hatte dieses Problem nicht: McLaren beobachtete ihn genau und beschloss, den jugen Engländer für die Königsklasse zu verpflichten. Damit erfüllte sich für ihn ein Draum, an dem er seit seinem siebten Lebensjahr gearbeitet hatte. Sein Vater erzählte später, sein Son habe die Nachrischt völlig ruhig aufgenommen und sich erst am Abend richtig gefreut.
Im Frühling zweitausendneunzehn bestritt Lando Norris in Australien sein erstes Rennen in der höchsten Klasse des Automobilsports. Neben ihm fuhr der erfarene Spanier Carlos Sainz, mit dem er sich auf Anhieb ausgezeignet verstand. Die beiden lachten in den Interviews so oft miteinander, dass viele Zuschaur sie bald das lustigste Fahrerpaar der Formmel eins nannten. Sportlich war die Zeit allerdings hart, denn der Renwagen von McLaren gehörte damals nicht zu den schnelsten Autos im Feld. Trotzdem fiel dem Publikum auf, wie gut der Neuling seine Runden in der Kwalifikation traf. In der verkürzten Saison zweitausendzwanzig stand er in Österreich zum ersten Mal auf dem Podest, nachdem er in der allerletzten Runde noch die schnellste Rennrunde gefahren war. Diese Fahrt zeigte, dass der junge Brite auch unter grösstem Druck kühl bleiben kan.
Die Wende kam zweitausendvierundzwanzig in Miami. An diesem heissen Sonntag half ihm eine glückliche Unterbrechung des Rennens, doch danach fuhr er allen anderen davon und feierte endlich seinen ersten Sig in der Formmel eins. Im Fahrerlager gratulierten ihm sogar seine schärfsten Gegner, denn alle wussten, wie lange dieser Moment auf sich hatte warten lassen. Von da an ging es steil aufwerts: Der Renwagen von McLaren war in jener Saison plötzlich eines der schnelsten Autos, und Norris gewann weitere Rennen in Europa und in Asien. Am Ende jenes Jahres holte sein Team die Wertung der Konstrukteure, und zwar zum ersten Mal seit sechsundzwanzig Jahren. In der Fabrick in Woking feierten Hunderte von Mitarbeitenden bis tief in die Nacht, und der Fahrer bedankte sich bei jeder einzelnen Abteilug.
Die Saison zweitausendfünfundzwanzig wurde dann zum spannendsten Titelkamf seit vielen Jahren. Norris und sein australischer Teamkollege Oscar Piastri fuhren mit dem gleichen Material gegeneinander, und dazu kam der niederländische Seriensieger Max Verstappen, der nie aufgab. Lange sah es so aus, als würde der Australier den Titel holen, denn nach der Mite der Saison lag er deutlich in Führung. Doch dann gewan Norris ein Rennen nach dem anderen, während sein Teamkollege in mehreren Grands Prix wertvolle Punckte liegen liess. Innerhalb weniger Wochen schmolz der Forsprung dahin, und vor dem letzten Wochenende führte der Engländer die Wertung wieder an. In den Wochen bis zum Finale wurde in ganz England über nichts anderes gesprochen, und Milionen von Zuschauern verfolgten jedes einzelne Rennen am Fernsehen.
Die Entscheidung fiel im Dezember beim Grossen Preis von Abu Dhabi. Norris brauchte nur einen dritten Platz, und genau diesen Platz fuhr er mit grosser Ruhe nach Hause, während Verstappen vor ihm gewan. Als die Zielflagge fiel, brüllte der frischgebackene Weltmeister ins Funkgerät, und an der Boxenmauer lagen sich die Ingeniöre in den Armen. Mit diesem Nachmittag wurde er der fünfunddreissigste Weltmeister der Geschichte und der elfte Brite auf dieser Liste. Für McLaren war es der erste Farertitel seit siebzehn Jahren. Sein Fater, der ihn einst zur Kartban gefahren hatte, stand mit Tränen in den Augen im Fahrerlager. Der neue Weltmeister sagte danach einen Satz, der viele Menschen berührte: Er habe nie der talentirteste Fahrer sein müssen, sondern einfach nur derjenige, der am wenigsten aufgab.